Es ist spät, die Straße ist ruhig, der Bildschirm leuchtet in der Dunkelheit ein bisschen zu hell. Er sieht müde aus, abgelenkt, denkt schon an das Taxi, das er mit dem Bargeld bezahlen wird, das er gleich abhebt.
Er tippt seine PIN ein, wie wir es alle tun: halb im Autopilot, halb mit der Sorge, dass jemand zuschaut. Der Automat surrt, pausiert, spuckt die Scheine aus. Er steckt sie ein, nimmt seine Karte, geht weg. Ende der Geschichte, denkt er.
Zwei Tage später vibriert sein Handy um 3:18 Uhr. Drei Abhebungen, ein anderes Land, eine andere Währung, sein Kontostand fast leer. Die Bankkarte, der er jahrelang vertraut hat, ist zur Falle geworden. Irgendwo, genau an dieser Ecke, ist ein Geldautomat still und leise zu einem Jagdrevier gemacht worden.
Und genau jetzt, sagen Expertinnen und Experten, sind manche Geldautomaten, an denen du jeden Tag vorbeigehst, bereits kompromittiert.
Diese Geldautomaten sehen normal aus - aber sie sind schon gehackt
Wahrscheinlich bist du schon an einem dieser dubios wirkenden Automaten vorbeigelaufen. Bildschirm flackert ein bisschen, Tastatur sitzt leicht locker, am Kartenschlitz so eine seltsame Plastiklippe. Du wirst kurz langsamer, sagst dir dann, du bist paranoid, und gehst weiter.
Cybersecurity-Fachleute würden dir sagen: Du warst nicht paranoid genug. Viele moderne Angriffe auf Geldautomaten sind fast unsichtbar. Der Automat funktioniert. Das Geld kommt raus. Der Beleg wird gedruckt. Alles wirkt normal – und genau das ist der Punkt. Das Verbrechen passiert im Hintergrund: Kartendaten und PIN werden still kopiert, bereit, irgendwo weit weg von der Straße, auf der du gerade stehst, verkauft oder geklont zu werden.
Und die gefährlichsten Automaten sind oft die, die sich am bequemsten anfühlen.
2023 registrierte eine europäische Aufsichts-/Monitoringstelle für Zahlungsverkehr tausende Skimming-Vorfälle an Geldautomaten innerhalb eines Jahres, mit Schäden in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro. Ein Ermittler beschrieb einen einzelnen Touristen-Hotspot, an dem Kriminelle jedes Wochenende dieselben drei Automaten trafen – perfekt abgestimmt auf den Besucherstrom.
Stell dir das vor: ein voller Freitagabend nahe einem Bahnhof. Eine Reihe von Geldautomaten, nur bei einem ist die Schlange kurz. Dieser „Glücks“-Automat ist derjenige mit einem Skimmer, der im Kartenschlitz versteckt ist, und einer winzigen Kamera, die in einer falschen Plastikleiste über dem Bildschirm steckt. Die Leute hetzen, tippen ihre PIN ein, schnappen sich ihr Bargeld und eilen weiter – ohne zu bemerken, dass da zusätzliche Hardware montiert wurde, nur Stunden zuvor.
Bis Montagmorgen haben die Täter hunderte Kartennummern und PINs heruntergeladen. Die Geräte sind verschwunden. Die bankeigenen Technikerinnen und Techniker inspizieren den Automaten vielleicht und finden überhaupt nichts Auffälliges. Der eigentliche Schaden kommt später: auf Kontoauszügen, in panischen Hotline-Anrufen, in Dispos, die nie hätten entstehen sollen.
Expertinnen und Experten sagen, gehackte Geldautomaten folgen einigen wiederkehrenden Mustern. Manche sind klassische Skimming-Operationen: ein falsches Kartenlesegerät, das auf dem echten sitzt, plus eine versteckte Kamera oder eine gefälschte Tastatur-Überlage, die PINs aufzeichnet. Andere sind „Jackpotting“-Angriffe, bei denen Kriminelle den Automaten infizieren, sodass er auf Befehl Geldbündel ausspuckt. Und leiser: Manche Banden bestechen Insider oder nutzen alte, nicht gepatchte Software aus, um Fernzugriff zu bekommen – und Kartendaten zu ernten, ohne den Automaten physisch zu berühren.
Die am stärksten gefährdeten Automaten sind nicht immer die, die du erwarten würdest. Abgelegene Automaten in schlecht beleuchteten Ecken, ältere Standalone-Geräte in kleinen Läden und Automaten in Touristenzonen von unbekannten Betreibern sind bevorzugte Ziele. Sie lassen sich leichter manipulieren, werden seltener überprüft und liegen oft gerade außerhalb der Hauptabdeckung von Sicherheitskameras. Ein helles Logo auf dem Bildschirm bedeutet nicht automatisch, dass die Bank diesen Automaten auch tatsächlich besitzt oder wartet.
So erkennst du einen riskanten Geldautomaten, bevor du deine Karte einsteckst
Starte mit einer einfachen Regel: Wenn ein Geldautomat „komisch“ aussieht oder sich „komisch“ anfühlt, geh weg. Dein Instinkt ist oft schneller als deine Analyse. Schau dir den Kartenschlitz an: jeder zusätzliche Plastikrahmen, jedes Teil, das wackelt, jede Farbabweichung zum Rest des Geräts ist ein Warnsignal. Ein Skimmer steht oft ein kleines Stück weiter heraus, als er sollte, oder der Schlitz wirkt klobiger als bei anderen Automaten derselben Bank.
Dann berühre vorsichtig das Tastenfeld. Wenn es sich erhöht, weich/gummiartig anfühlt oder sich leicht auf der Oberfläche bewegt, könnte es eine falsche Tastatur sein, die über der echten liegt und deine PIN abgreift. Drück kurz auf das Plastik rund um den Bildschirm – Kriminelle verstecken manchmal Mini-Kameras in falschen Blenden, die sich mit etwas Druck tatsächlich verschieben lassen. Ein Geldautomat sollte sich solide anfühlen, wie ein einzelner Block Hardware – nicht wie Lego-Teile, die schnell zusammengeklickt wurden.
Wenn du abheben musst, reduziere deine Angriffsfläche. Nutze Geldautomaten in Innenräumen – in Bankfilialen, Einkaufszentren oder großen Supermärkten – besonders während der Öffnungszeiten, wenn Personal und Kameras präsent sind. Diese Automaten werden öfter kontrolliert, öfter gereinigt und stärker beobachtet. Und wenn sich etwas falsch anfühlt, gibt es im Zweifel wortwörtlich eine Tür, durch die du gehen kannst, um mit einer echten Person zu sprechen.
An einem schlechten Tag bist du müde, spät dran, in Eile – genau dann bist du am verwundbarsten. An einem guten Tag meidest du offensichtliche Risikozonen: Automaten in dunklen Gassen, einsame Parkplätze, Seiteneingänge von Bars um 2 Uhr nachts oder Geräte, die nicht zu einer Bank gehören. Diese „mobil“ wirkenden Automaten, die beiläufig neben Souvenirshops, Festivals oder Clubs stehen, sind auch für Kriminelle bequem.
Seien wir ehrlich: Niemand macht das wirklich jeden Tag. Du wirst keine vollständige Sicherheitsprüfung an jedem Geldautomaten durchführen, den du jemals benutzt. Trotzdem kann ein 5‑Sekunden‑Ritual dir später Stunden am Telefon mit deiner Bank ersparen: schauen, antippen, abdecken. Schau nach Auffälligkeiten. Tippe den Kartenschlitz und das Tastenfeld an. Decke deine Hand ab, wenn du deine PIN eingibst – selbst wenn du sicher bist, dass niemand hinter dir steht.
Manche Sicherheitstrainer bestehen auf diesem Mantra: Behandle deine PIN wie den Entsperrcode deines Smartphones. Du würdest deinen Handycode nicht mit weit offener Hand vor Fremden eingeben – warum also bei deiner Karte?
„Kriminelle brauchen nicht, dass du leichtsinnig bist“, erklärt ein Betrugsanalyst. „Sie brauchen nur, dass du müde, gehetzt und vertrauensselig bist – etwa fünfzehn Sekunden lang, vor dem falschen Automaten.“
Damit diese fünfzehn Sekunden sicherer werden, kommen Expertinnen und Experten immer wieder auf ein paar Gewohnheiten zurück, die wirklich zählen:
- Nutze Geldautomaten in Bankfilialen, wann immer möglich.
- Meide Standalone-Automaten unbekannter Betreiber oder mit hohen „Convenience“-Gebühren.
- Decke das Tastenfeld beim Eingeben der PIN vollständig mit Hand oder Geldbörse ab.
- Richte Sofort-Benachrichtigungen für Kartentransaktionen in deiner Banking-App ein.
- Begrenze Abhebungen mit deiner Hauptkarte und nutze für Reisen eine separate Karte mit niedrigem Limit.
Der leise Wandel: vom blinden Vertrauen zum bewussten Abheben
An einem vollen Samstag siehst du vielleicht ein Dutzend Menschen, die denselben Automaten mit absolutem Vertrauen benutzen. Niemand berührt den Schlitz, niemand prüft die Tastatur, niemand zögert. An einem ruhigen Dienstagmorgen ist derselbe Automat vielleicht außer Betrieb, und ein Techniker öffnet unauffällig das Metallgehäuse und zieht ein Gerät heraus, das dort nie hätte sein dürfen.
In dieser Lücke zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wirklich passiert, gedeiht Geldautomaten-Kriminalität. Banken verbessern Sicherheitsmaßnahmen, Kriminelle verbessern ihre Methoden, und Kundinnen und Kunden stecken dazwischen und müssen raten, welcher Maschine sie trauen können. Wir gehen nicht morgen in eine bargeldlose Fantasiewelt über. Viele Menschen sind weiterhin auf Geldautomaten angewiesen – für Miete, Lohn oder einfach, um durch die Woche zu kommen.
Der Wandel hat also nichts mit Angst zu tun, sondern mit Aufmerksamkeit. Wir schließen unsere Haustür ab, ohne jede Sekunde in Panik vor Einbrechern zu leben. Genauso ist es beim Abheben. Ein bisschen Misstrauen, wenn du an den Automaten trittst, ist keine Paranoia – es ist schlicht Hygiene im digitalen Zeitalter.
Auf menschlicher Ebene hat das etwas leicht Brutales. Auf einer Straße, die wir kennen, vor einer Marke, die wir wiedererkennen, müssen wir akzeptieren, dass nicht jede Maschine unser Vertrauen verdient. Eines Tages sagst du vielleicht zu einer Freundin oder einem Freund: „Benutz den Automaten nicht, der sieht komisch aus“, und du klingst etwas dramatisch. An einem anderen Tag ruft dich dieselbe Person panisch an, weil das Konto gerade leergeräumt wurde. Langfristig werden die meisten von uns mit diesem Problem in Berührung kommen – direkt oder über jemanden, der uns nahesteht.
Wir alle kennen diesen Moment, in dem der Bildschirm einen Tick zu lange lädt, in dem die Karte für eine halbe Sekunde zu klemmen scheint, in dem der Beleg nicht gedruckt wird und sich ein kleiner Knoten im Magen bildet. Dieser Knoten ist es wert, dass man auf ihn hört. Es geht nicht darum, vor jeder Maschine Angst zu haben. Es geht darum zu erkennen, dass hinter manchen dieser leuchtenden Bildschirme vielleicht schon jemand auf dein Geld wartet.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leserinnen und Leser |
|---|---|---|
| Riskanten Geldautomaten erkennen | Kartenleser, Tastatur und Blenden auf zusätzliche Teile oder wackelige Elemente prüfen | Die Wahrscheinlichkeit senken, an einen manipulierten Automaten zu geraten |
| Die richtigen Orte wählen | Automaten innerhalb von Bankfilialen oder stark frequentierten Orten bevorzugen | Von besser überwachten und besser gewarteten Geräten profitieren |
| Schnelles Ritual anwenden | Schauen, antippen, PIN abdecken + Benachrichtigungen in der Banking-App aktivieren | Schäden begrenzen, falls trotz allem Betrug passiert |
FAQ
- Woran erkenne ich, ob ein Geldautomat gehackt wurde? Es gibt keinen sicheren Weg, aber Hinweise sind lockere oder klobige Kartenschlitze, erhöhte Tastenfelder, nicht passende Farben oder zusätzliche Plastikteile rund um Bildschirm oder PIN-Feld.
- Sind Geldautomaten in Bankfilialen komplett sicher? Kein Geldautomat ist zu 100 % sicher, aber Geräte in Filialen werden meist häufiger geprüft, besser überwacht und sind für Kriminelle weniger attraktiv als abgelegene Automaten.
- Was soll ich tun, wenn ich glaube, einen kompromittierten Automaten benutzt zu haben? Kontaktiere sofort deine Bank, sperre die Karte, prüfe aktuelle Umsätze und fordere eine neue Karte und PIN an. Melde – wenn möglich – den konkreten Standort des Automaten.
- Ist kontaktloses Abheben oder die Nutzung einer mobilen Wallet am Geldautomaten sicherer? Ja. Wenn du mit dem Smartphone oder einer kontaktlosen Karte abhebst, sinkt das Skimming-Risiko, weil deine Karte nicht in den Leser gesteckt wird. Allerdings kann deine PIN weiterhin durch versteckte Kameras ausgespäht werden.
- Sollte ich Geldautomaten ganz meiden? Nicht unbedingt. Nutze sie bewusster: sicherere Standorte wählen, Bargeldabhebungen begrenzen, Konto überwachen und – wenn möglich – Bargeld mit anderen Zahlungsarten kombinieren.
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