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Experten zufolge verliert Portugal an Attraktivität, da Ruheständler nun ein neues europäisches Lieblingsziel wählen.

Älteres Paar plant Reise an einem Tisch mit Karte im Freien, Pass und Brille, im Hintergrund weiße Gebäude und Meerblick.

Auf einer Caféterrasse in Graça sitzt wie immer die vertraute Gruppe silberhaariger Ausländerinnen und Ausländer über Kaffee und Pastel de Nata, spricht Englisch, Französisch, Deutsch. Aber die Gespräche haben sich verändert. Weniger geht es um neue Renovierungen und Aufenthaltskarten. Mehr um steigende Steuern, volle Straßen und … das Weggehen. Ein britisches Paar scrollt auf einem Tablet durch Immobilienanzeigen. Die Überschrift auf dem Bildschirm lautet: „Rentner wenden sich einem neuen europäischen Zufluchtsort zu.“ Sie sehen sich an und lachen nervös. Der Traum, dem sie vor ein paar Jahren hierher gefolgt sind, wirkt plötzlich fragil. Unter dem Postkartenhimmel verschiebt sich etwas.

Vom goldenen Versprechen zum verblassenden Traum

Wer heute durch Lissabon oder die Algarve läuft, sieht sie noch, die Klischees: Golf-Poloshirts, Leinenhemden und diesen leicht seligen Blick von Menschen, die nicht mehr um 9 Uhr einstempeln müssen. Die Cafés sind voll, die Sonnenuntergänge immer noch spektakulär, und die Sprachschulen sind gut besucht von Rentnerinnen und Rentnern, die lernen, wie man auf Portugiesisch Wein bestellt.

Und doch: Wer genauer hinhört, merkt, dass sich der Soundtrack geändert hat. Das Gerede von Portugal als „Rentenparadies“ kommt inzwischen mit einem Sternchen. Mieten sind stark gestiegen, die einst berühmten Steuervergünstigungen für ausländische Pensionäre werden zurückgefahren, und manche Langzeit-Expats flüstern, sie fühlten sich herausgedrängt von einem Land, das sie für ihre Endstation hielten.

Die Zahlen erzählen leise dieselbe Geschichte. Portugiesische Zeitungen berichten, dass neue Anträge im NHR-Programm (Non-Habitual Resident) stark eingebrochen sind, seit die Regierung begonnen hat, das Regime für viele Neuzuziehende auslaufen zu lassen. Immobilienagenturen, die Portugal früher als Niedrigsteuer- und Niedrigkosten-Hintertür in die EU verkauften, werben nun in fetten Lettern mit „Alternativen“. Gleichzeitig haben Länder wie Griechenland und Italien eigene attraktive Programme aufgelegt und locken mit Pauschalsteuern von 7–10% oder deutlich reduzierter Einkommensteuer für ausländische Ruheständler.

In Expat-Foren lässt sich die Wanderung fast in Echtzeit beobachten. Threads, die früher von „Wie ziehe ich nach Lissabon?“ brummten, werden zunehmend ersetzt durch „Ist Griechenland das neue Portugal?“ oder „Überlege, Algarve gegen Kreta zu tauschen – verrückt?“ Es geht dabei nicht nur ums Geld. Viele sagen, Portugal fühle sich voller an, touristischer, weniger wie der langsame, schläfrige Zufluchtsort, den sie sich vorgestellt hatten. Das „versteckte Juwel“ ist nicht mehr versteckt.

Fragt man Umzugsberater, wohin ihre Kundschaft 2025 möchte, fällt Griechenland immer wieder. Das hat Gründe: Während Portugal eine Tür schließt, reißen Athen und die Inseln eine andere auf. Griechenland bietet inzwischen eine 7%-Pauschalsteuer auf ausländische Renten für bis zu 15 Jahre – eine Zeitspanne, die Menschen beruhigt, die Stabilität suchen. Immobilienpreise in kleineren griechischen Küstenorten liegen oft deutlich unter den heißesten Lagen Portugals.

Für viele Ruheständler ist diese Kombination magnetisch: milde Winter, EU-Zugang zur Gesundheitsversorgung, großzügige Steuerdeals und jener mediterrane Charme alter Schule, für den Portugal lange fast allein stand. Experten für internationale Steuerplanung sagen es unverblümt: Portugal hat sein Monopol auf die europäische Ruhestandsfantasie verloren. Und sobald Menschen begreifen, dass sie Optionen haben, beginnt Loyalität zu wackeln.

Griechenland rückt ins Rampenlicht

Nehmen wir Linda und Mark, beide 68, aus Manchester. Sie zogen 2017 nach Lagos an der Algarve – verführt vom NHR-Regime und langen Spaziergängen entlang der Klippen. Damals zahlten sie weniger als 900 € im Monat für eine Wohnung mit Meerblick. Letztes Jahr kündigte der Vermieter: Die Wohnung werde nun kurzfristig an Touristen vermietet – zum dreifachen Preis.

Vor der Wahl, entweder über 1.600 € für eine kleinere Wohnung zu zahlen oder irgendwo günstiger neu anzufangen, taten sie etwas, das ihr jüngeres Ich nie erwogen hätte: Sie flogen nach Kreta, „nur um mal zu schauen“. Drei Monate später unterschrieben sie für ein bescheidenes Haus nahe Chania, Orangenbäume im Garten, Nachbarn, die Oliven und Tomaten in Plastiktüten vorbeibringen. „In Portugal hatten wir das Gefühl, wir jagen dem Traum hinterher“, sagt Linda. „In Griechenland fühlt es sich an, als hätten wir ihn wieder eingefangen.“

Geschichten wie ihre landen zunehmend in den Postfächern von Anwälten und Steuerberatern, die auf Expat-Umzüge spezialisiert sind. Profis erkennen ein Muster: Ruheständler, die in den NHR-Jahren wegen der günstigen Besteuerung ausländischer Renten nach Portugal kamen, stehen nun vor einem deutlich strikteren, weniger großzügigen System. Legt man diese Änderungen neben Griechenlands 7%-Pauschalsteuer auf Renten oder Italiens Angebote für südliche Regionen, ist der finanzielle Kontrast klar.

Es geht nicht nur um Steuerpolitik. Viele Ruheständler sprechen über Lebensqualität im Verhältnis zu Kosten. In Teilen der Algarve und im Zentrum Lissabons haben Cafés, die früher lokale Beschäftigte frequentierten, inzwischen Speisekarten, die auf digitale Nomaden und Wochenendtouristen zugeschnitten sind. Ein Langzeit-Expat in Cascais beschreibt es trocken: „Früher fühlten wir uns wie Nachbarn. Jetzt fühlen wir uns wie Statisten im Städtetrip anderer.“ Für Menschen mit fixen Renten gehen die Rechnung – und die Stimmung – nicht mehr auf.

Experten, die diese Bewegungen verfolgen, beschreiben einen klassischen Zyklus: Zuerst die Entdeckung, wenn ein Ort wie Portugal wie ein Geheimtipp wirkt. Dann die Massenankunft, wenn Steuerregeln und Instagram-Posts zusammenpassen. Danach reagieren Regierungen auf Wohnungsdruck, lokalen Ärger und Budgetrealitäten. Anreize werden zurückgenommen, Preise steigen, und das Idyll lässt sich schwerer halten.

Gleichzeitig schauen andere Länder zu und lernen. Griechenland, gezeichnet von Jahren der Wirtschaftskrise, sah im Portugal-Boom eine Vorlage – und eine Warnung. Also kopierte Athen die attraktiven Teile (günstiges Steuerangebot, vereinfachte Aufenthaltswege) und bot Ruheständlern zugleich eine noch längere Planbarkeit. Das Ergebnis: ein neuer Gravitationspunkt im Mittelmeerraum. Wenn ein Traumziel von „bezahlbarem Juwel“ zu „überfüllt und teuer“ kippt, wartet der nächste Underdog-Favorit schon hinter den Kulissen.

Wie Ruheständler still ihren Plan B neu schreiben

Für viele angehende Ruheständler beginnt der Wechsel von Portugal zu Griechenland nicht mit einem Steuerformular. Er beginnt mit einer Tabelle und einer unruhigen Nacht. Menschen, die früher nur von der Algarve fantasierten, öffnen heute drei Browser-Tabs: Lissabon, der Peloponnes, vielleicht ein kleiner Ort in Süditalien. Sie vergleichen Miete, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Aufenthaltsoptionen, Flüge nach Hause. Sie planen nicht nur, wo sie leben wollen, sondern wo sie sich noch sicher fühlen können, falls sich Regeln wieder ändern.

Eine überraschend wirksame Methode, die Finanzplaner empfehlen, ist simpel: zwei komplette Monatsbudgets erstellen – eines für ein realistisches Leben in Portugal heute, eines für ein ähnliches Leben in der griechischen Region, die lockt. Einschließlich der langweiligen Details: Versicherungen, Medikamente, Busfahrten, zweimal pro Woche auswärts essen. Dann ein „Stresstest“: Was passiert, wenn Steuern etwas steigen oder der Euro-Wechselkurs sich gegen einen bewegt?

Wenn diese Zahlen auf dem Bildschirm stehen, wird der emotionale Teil klarer: Fühlt sich das noch nach Freiheit an – oder schon nach Kompromiss?

Viele Ruheständler tappen in dieselben Fallen. Sie besuchen im Sommer, verlieben sich in einen sonnengetränkten Hafen und unterschreiben dann lange Mietverträge, ohne je einen feuchten Januar erlebt oder gesehen zu haben, wie ruhig eine Stadt im Februar wird. Sie verlassen sich auf Facebook-Hörensagen über „fast keine Steuern“, ohne zu prüfen, ob diese Regeln für Neuzuziehende überhaupt noch gelten. Manche verschiffen sogar ihr Hab und Gut, bevor sie einmal in einem lokalen Wartezimmer einer Klinik gesessen oder versucht haben, ein Gesundheitsproblem in brüchigem Portugiesisch oder Griechisch zu erklären.

Dazu kommt ein versteckter emotionaler Preis. Portugal zu verlassen – besonders nachdem man Freundschaften und Routinen aufgebaut hat – kann sich wie persönliches Scheitern anfühlen. Menschlich tut das weh. Praktisch kann es dazu führen, dass Menschen in einer Situation bleiben, die nicht mehr funktioniert, nur weil sie mit 70 nicht noch einmal „neu anfangen“ und sich eingestehen wollen, dass der Traum seine Form verändert hat. An einem stillen Nachmittag ist das eine schwere Last.

Ein Umzugsberater aus Porto bringt es ohne Beschönigung auf den Punkt:

„Portugal ist weiterhin eine wunderschöne Wahl, aber die Geschichte hat sich verändert. Wenn Sie 2025 den Ruhestand planen, können Sie nicht so tun, als wäre es 2015. Am glücklichsten werden die sein, die das als Lebensprojekt behandeln – nicht als Urlaub, der nie endet.“

Um einen klaren Kopf zu behalten, empfehlen viele Experten eine einfache mentale Checkliste, bevor man von Portugal zum „neuen Favoriten“ in Europa springt – oder überhaupt umzieht:

  • Klären Sie Ihre Unverhandelbaren (Gesundheitsversorgung, Klima, Sprache, Budget-Obergrenze).
  • Verbringen Sie mindestens einen Wintermonat am gewählten Ort, bevor Sie sich festlegen.
  • Sprechen Sie mit einem lokalen Steuerberater – nicht nur mit Expats in sozialen Medien.
  • Denken Sie in 10-Jahres-Horizonten, nicht nur an „die nächsten drei Sommer“.
  • Erinnern Sie sich, warum Sie ursprünglich umziehen wollten, und prüfen Sie, ob das noch stimmt.

Seien wir ehrlich: Das macht niemand wirklich jeden Tag. Doch die Ruheständler, die auch nur die Hälfte dieser Arbeit leisten, wirken ruhiger, wenn Pläne sich verschieben. Sie sind weniger schockiert, wenn ein Steuerregime sich ändert oder ein Vermieter plötzlich Touristen bevorzugt. Sie wussten von Anfang an: Sie kaufen kein Märchen – sie entwerfen eine Strategie fürs gute Älterwerden in einer fragilen Welt.

Die neue Landkarte des „guten Älterwerdens“

Unter all dem Gerede über Steuerregime und Visa liegt eine leise, fast zärtliche Frage. Nicht „Portugal oder Griechenland?“, sondern: „Wo will ich alt werden – und mit wem?“ Auf einer Terrasse in Athen oder Porto, spät am Abend, ringen Menschen darüber beim zweiten Glas Wein.

Portugal mag seinen Status als unangefochtener europäischer Liebling der Ruheständler verloren haben, aber nicht sein Wesen: atlantisches Licht, langsame Züge, Saudade-Lieder, die aus offenen Fenstern dringen. Griechenland steigt derweil zum neuen Favoriten auf für jene, die eine günstigere Behandlung ihrer Rente und ein frischer wirkendes Verhältnis von Kosten und Schönheit suchen. Morgen könnte es ein anderes Land sein. Trends wechseln; das Bedürfnis nach einer sanften Landung am Ende des Berufslebens nicht.

Wir kennen alle diesen Moment, in dem ein Ort, den wir geliebt haben, sich plötzlich ein wenig „falsch“ anfühlt. Das Café wird lauter, die Preise ziehen an, und man merkt, dass die Version der Stadt, in die man sich verliebt hat, vor allem in der Erinnerung existiert. Ruheständler erleben diesen Moment nur in größerem Maßstab – riskanter, teurer. Manche bleiben in Portugal und verhandeln ihren Traum neu. Andere packen Kisten und folgen der Strömung nach Griechenland oder weiter. Beide Entscheidungen sind legitim, und keine ist einfach.

Was entsteht, ist eine flüssigere Landkarte des Ruhestands in Europa. Weniger ein einziges gelobtes Land, mehr Phasen, Experimente und ehrliche Fragen. Wenn das erste Kapitel „Portugal oder nichts“ war, klingt das nächste eher wie: „Wo kann ich mich noch zu Hause fühlen – auch wenn die Regeln sich ändern und ich mich ebenfalls verändere?“

Kernpunkt Detail Nutzen für die Lesenden
Portugals veränderte Attraktivität Ende des großzügigen NHR-Regimes, steigende Kosten, stärkerer Tourismusdruck Hilft einzuschätzen, ob Portugal noch zu Ihren Ruhestandserwartungen passt
Griechenland als neuer Favorit 7% Pauschalsteuer auf ausländische Renten, in vielen Regionen niedrigere Immobilienpreise Eröffnet eine Alternative, wenn Sie ein ähnliches Klima und einen ähnlichen Lebensstil suchen
Plan-B-Denke Budgetvergleiche, Probewohnen, langfristiges Denken und Expertenrat Liefert einen praktischen Rahmen, um Ihre künftige Lebensqualität abzusichern

FAQ

  • Ist Portugal nach den NHR-Änderungen noch ein guter Ort für den Ruhestand? Ja, für viele schon – vor allem, wenn Kultur, Sicherheit und Klima wichtiger sind als Steuervorteile. Finanziell ist die Rechnung allerdings weniger attraktiv als noch vor ein paar Jahren.
  • Warum nennen Experten Griechenland als neuen Favoriten? Weil Griechenland derzeit eine freundliche Pauschalsteuer auf ausländische Renten, in vielen Regionen relativ niedrigere Wohnkosten und einen zugänglichen mediterranen Lebensstil kombiniert.
  • Sollte ich nur aus Steuergründen von Portugal nach Griechenland ziehen? Die meisten Berater sagen: Steuern sollten ein Faktor sein, aber nicht der einzige; Gesundheitsversorgung, Sprache, Gemeinschaft und langfristige Stabilität sind genauso wichtig.
  • Wie lange sollte ich ein Land „testen“, bevor ich dort in Rente gehe? Häufig wird mindestens ein voller Monat im Winter und einer in der Übergangssaison empfohlen, um ein realistisches Gefühl jenseits der Urlaubs-Postkarte zu bekommen.
  • Ist es zu riskant, erst Ende 60 oder in den 70ern noch das Land zu wechseln? Es ist ein großer Schritt, aber mit sorgfältiger Planung, rechtlicher Beratung und ehrlichem Budgetieren gelingt es vielen Ruheständlern – und sie berichten, dass sie sich eher belebt als überfordert fühlen.

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